Potenzielle Portale von Marco Michalzik

„Was, wenn ich gerade ab diesem Tag nichts mehr zu sagen hab?“

 

Schon im letzten Jahr trafen wir unseren Projektpaten Marco auf dem Christival zusammen mit JONNES und nahmen seinen Text „Heute ist morgen schon gestern“ auf. Im Ulenspiegel Gießen präsentierte er mit Manuel Steinhoff  nun sein neuestes Projekt #poetrymeetsbeats, seine Spoken Word-Texte unterlegt mit live gespielten Elektrobeats. Wir durften live dabei sein und diesen Moment für euch festhalten.

 

„Potenzielle Portale“ entstand während der Schreibphase für Marco’s letztes CD-Projekt. In den letzten zwei Wochen vor der Deadline für die Fertigstellung der Texte war ein Urlaub geplant und so schob sich die Schreibarbeit schließlich auf diesen Urlaub. Während die Deadline dann immer näher rückte, stieg die Panik über das auch in der vorletzten Woche immer noch leere Blatt, also schrieb Marco einen Text über genau diese Panik.

 

Wollt ihr Marco’s Texte und Manuel’s Beats in eurem Wohnzimmer? Schaut mal auf seiner Website vorbei! Bei Interesse könnt ihr an die unten angegebene Email-Adresse schreiben.

 

Mehr zu Marco Michalzik & Manuel Steinhoff:
Facebook // mmichalzik
instagram // mmichalzik
Website // marcomichalzik.com
Manuel Steinhoff // chunkymonkeyproduction.de
Kontakt&Booking // info@apevent.de

 

Potenzielle Portale © Marco Michalzik

 

Hallo Welt,
oder wer auch immer am Ende diesen Flaschenpostzettel in neugierigen Händen hält. Ich bin jetzt mal draußen.
Weißt du,
Ich brauch mal ne Pause von Zuhause,
wo dieses Blatt auf mich wartet,
mich erwartungsvoll anstarrt und erwartet,
dass ich es fülle – mit Gedanken so großartig,
dass sie interessieren und mitunter sogar dazu inspirieren Ideen zu kopieren.
Aber wie soll das gehen? Wenn man dazu Schritte braucht und ich bleib ständig stehen.

 

Und bevor die Haustür sich hinter mir schließt
Und das W-LAN versiegt schnell noch einen Tweet,
den eh keiner liest:
„Schreibblockade irgendwas, Hashtag läuft bei mir – nicht.“

 

Was, wenn ich gerade ab diesem Tag nichts mehr zu sagen hab?
Keine Sagen hab, oder Märchen, oder Romanstoffreste als bunte Flicken für die weiße Weste meines leeren Blattes.
Hab Buchstabensuppen- Scrabbel- Wortmikado gespielt
und gewartet, dass der Groschen, wie in Kindersparbüchsen fiel.

 

Three Point Shoot Outs mit zerknüllten Ideen
im Streben nach beflügelter Phantasie. Fünftausend Mal Pegasus aufs Blatt geschrieben, ohne dass etwas passiert.

 

Obwohl meine Phantasie potenzielle Portale kindlich naiv zu Orten voller Magie eben immer noch in jedem ollen Wandschrank sieht.

 

Werden Zeilen erst geboren, wenn das Glück vermisst ist?
Mist ist, das sicherlich in deinen Augen und Ohren.
Und ich verstehe auch deine Logik,
wieso denn erst vom Sommer singen, wenn der Boden längst gefroren ist. Irgendwie ist das mit dem Opfer sein gar nicht mal so leicht,

 

weil ich begreif,
während ich mein Hemd aufknöpfe und dir meine Narben zeig, dass die Hand, die du jetzt tröstend hältst –
auch selber Wunden reißt.

 

Beim Gehen auf ebenen Wegen daneben zu treten, kannst du meinetwegen als meinen roten Faden sehen.

 

Mit schlafwandlerischer Sicherheit in alle Stolperfallen manövriert,
bis man vor lauter Scherben kaum noch die Farben des Fußbodens sieht.

 

Lass mich dir verraten, am Ende des Tages, glaub‘ ich an Gnade.

 

Oh und das sagt sich so leicht.
Doch schon während ich das sage,
weiß ich nicht mal, was ich mein‘ – damit – dass der Maler dieser Farben, mit denen er Abendglühen streicht,
mich mehr liebte als sein Leben.
Te Telestai.

 

Der Sohn des Sternenschöpfers kam,
um bei uns zu wohnen.
Metaphorische Geschichten erzählend vom Suchen und Finden von Verlorenem. Und als die Liebe blutend stirbt, ist sie gekrönt mit Dornen.

 

Hab ihn so sehr gesucht, verloren, vielleicht ein wenig gefunden.
Wenn es wahr ist, dann ist er ein König mit einem Reich voll Vagabunden. Ein Lazarett mit Heilungsaussicht für all die Verwundeten.
Oh, bitte lass ihn glimmen, diesen einen kleinen Funken,
denn ich klammer‘ mich daran –
ohne wäre ich längst ertrunken.

 

Hör‘, er ruft die Kaputten und nicht die Gesunden.
Dass Gott wirklich Liebe ist – die schönste aller Kunden.

 

Ein Satz, in dem es kein Aber gibt,
weil Liebe nicht existiert, wenn man Liebe relativiert
und wer das nicht sieht hat wohl das Kreuz selbst nicht kapiert.

 

Das ist nur noch ein Gedicht.
Am Ende bin das einfach nur ich.
Einfach ein Typ, der stolpert zwischen Schatten und Licht.

 

Zeitlose Zeilen zu schreiben und bisweilen zu hoffen,
sie hätten auf irgendeine Art oder Weise ins Schwarze getroffen –
ist im Grunde mein Tagesgeschäft.
Das ist nicht wegweisend bahnbrechend.
Nur zwei offene Handflächen.
Hosentaschen voller Wunder und Zweifel und den verknitterten Zettel, auf dem handschriftlich steht
– ICH BIN DEIN!
0 Comments

Hier ist Platz für deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*