Das falsche Pferd von Bodo Wartke

„Stell dir vor, wir Menschen würden von nun an nur noch Dinge tun, die wir wirklich gerne tun.“

 

Klavierkabarett in Reimkultur – so bezeichnet Bodo Wartke seine Kunst der Unterhaltung: schmissige Lieder mit exzellent gereimten Texten voller Wortwitz, zu denen er sich selbst souverän am Klavier begleitet. Seine vertonten Geschichten sind charmante Beobachtungen unseres Alltags und jener Komplikationen, die das zwischenmenschliche Miteinander aufwirft. Bodo Wartke scheut sich nicht, einfache, existenzielle Fragen zu stellen: Was treibt uns an? Wieso fällt es uns schwer, Wandel als Chance anzunehmen? Warum handeln wir aus Angst anstatt aus Liebe?
Was, wenn doch? – Bodos 5. Klavierkabarettprogramm – ist ein poetisches Spiel mit den Möglichkeiten, nachdenklich und unterhaltsam zugleich. Ein ungebremster Bodo brennt für das, was er tut, und singt neue, akute Lieder.

 

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Das falsche Pferd (c) Bodo Wartke

 

Stell dir vor, wir Menschen würden von nun
an nur noch Dinge tun, die wir wirklich gerne tun,
sprich: aus Liebe handeln und fortan
all das lassen, was wir hassen. Was wäre dann?

 

Dann gäbe es in unserem Land endlich gutes Fernsehen,
weil die Fernsehmacher Fernsehen machten, das sie selber gern sähen.
Statt um die Quote, um die sich dort alles dreht,
ginge es auf einmal nur um pure Qualität.

 

Desweit‘ren fehlte dann hierzulande jede Spur
von lieblos hingerotzter Zweck-Architektur.
Plötzlich wären unsere Städte Stätten der schieren Freude
statt Ansammlungen kalter, deprimierender Gebäude.

 

Es gäbe keine nervtötende Werbung mehr,
weil sie ohnehin komplett überflüssig wär.
Denn ausnahmslos jedes Produkt, das existiert,
wär dann mit Hingabe und Liebe produziert.

 

Die Werber würden nicht mehr ihr Talent verschwenden,
sondern sich fortan der guten Sache zuwenden,
einer Sache, die sie künstlerisch und inhaltlich erfüllt,
und eben nicht mehr Werbung machen für Nestlé oder die BILD.

 

Plötzlich handelten wir alle aus authentischem Gefühl
und nicht mehr aus Angst und marktwirtschaftlichem Kalkül.
Wir folgten unseren Herzen und unseren Gelüsten,
statt das zu tun, von dem wir glauben, dass wir‘s tun müssten.

 

Wir würden uns entfalten und neu gestalten
und nicht mehr tun, was unsere Alten für richtig halten,
die sich klammern an vermeintliche Tugenden und Sitten,
unter denen sie absurderweise selber früher litten.

 

Wir trauten uns, wir selbst zu sein und unkonventionell
und studierten kaum noch Jura oder BWL.
Oder sagen wir so: Betriebswirt oder Jurist
wird dann nur noch der, der das auch wirklich gerne ist.

 

Wir alle würden einen Beruf ausüben,
den wir wirklich gern tun und von ganzem Herzen lieben.
Die gute Laune würde steigen – ganz egal, wohin man guckt –
und ganz nebenbei auch das Bruttosozialprodukt.

 

Die richtigen Leute wären Ärzte oder Richter,
Lehrer und Beamte … und die falschen wären nicht da.
Die richtigen Leute wären Bäcker oder Bänker,
Krankenschwestern oder Staatenlenker.

 

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“
Diesem Dogma müssten wir uns nicht mehr fügen.
Denn das Vergnügen finge ja dann
für uns direkt schon bei der Arbeit an.

 

Und wie schön ist es, wenn man bei ‘nem Menschen erkennt:
er brennt für was er tut und ist in seinem Element.
Und wie schön ist es, sich mit solchen Menschen zu umgeben,
die für das, was sie tun, leben.

 

Ich glaube, das ist echt das Schönste, was es gibt,
wenn man das, was man tut, leidenschaftlich liebt.
Man tut damit nicht nur sich selbst einen Gefallen,
sondern letzten Endes allen.

 

Vermutlich sagen Sie: „Das funktioniert doch nie!
Naive Hirngespinste! Reine Utopie!
Wenn alle täten, was sie lieben, wo kämen wir denn da hin?
Das hat doch alles überhaupt gar keinen Sinn!

 

Wir unterwerfen uns lieber weiterhin dem Joch.
Denn das kann ja gar nicht klappen …“
Was, wenn doch?
Was, wenn doch?

 

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